2003 ♦ Bezahlt wird nicht ♦ Grenz-Echo Bericht

Samstag, den 25. Januar und Sonntag, den 26. Januar 2003 in Hauset

Grenz-Echo vom 29. Januar 2003

“Bezahlt wird nicht“ hieß es am vergangenen Wochenende im Theater Gaudium in Hauset

Gelungene Arbeiterrevolte am Küchentisch

Alles wird teurer, der Reis, die Nudeln und die Bahnkarte. Doch plötzlich machen die Mailänder Hausfrauen nicht mehr mit, noch schlimmer, sie machen echt Rabatz.

Am vergangenen Wochenende war die Bühne der Mehrzweckhalle in Hauset Schauplatz dieser Revolution. „Ganz aktuell, was Dario Fo vor 30 Jahren geschrieben hat“, meinte Regisseur Günther Lorreng. Ein Grund mit für sein Theater Gaudium, diese sozialkritische und gleichzeitig zweieinhalb Stunden lang witzige Farce fast vier Monate lang einzuüben.
In der Küche einer Arbeiterfamilie, am plastikgedeckten Tisch spielt sich fast die ganze Revolte der gebeutelten Bevölkerung ab. Die Helden sind Hausfrau Antonia in geblümter Kittelschürze und Nachbarin Margherita. Der Küchentisch ist mit Plastiktüten überladen: Reis, Nudel, Oliven und alles, was der Mensch so zum Sattwerden braucht.
Zu einem fairen Preis wollten es die Geschäftsbosse nicht hergeben, also hie8 es: „Bezahlt wird nicht“, und tausende von Hausfrauen machten mit. Nicht nur pflichtbewusste Polizisten, sondern auch ihre ach so aufrichtigen Ehemänner könnten ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, fürchten die Hausfrauen. Doch damit wird eine Hausfrau aus Mailand spielend fertig.
Schnatternd, gestikulierend, mit italienischem Temperament umgarnt Palmyre Keutgen als Antonia ihren Mann. „War das richtig? War ich lieb?“ Nur was wirklich abgeht, das geht Ehemann Giovanni gar nichts an, der wortreich die Ehre der Arbeiterschaft verteidigt. Eine Suppe aus Vogelhirse, im Sud von tiefgekühlten Kaninchenköpfen kocht Antonia ihm, denn das sei auch für die Arbeiterschaft erschwinglich. Doch wohin mit der »heißen« Ware? Scheinschwangerschaften werden m Mailand zur Epidemie. Ihren dicken Bauch müssen Antonia und Margherita nicht nur ihren Männern erklären.
Auch böse und gute Polizisten, Sanitäter und Leichenbestatter kommen mit ins Spiel. Vom Papst ist die Rede. Es geschehen Wunder, und plötzlich haben sogar Polizisten einen dicken Bauch. Derweilen sinnieren Patrick Lorreng als Giovanni und Olivier Kirschvink als Margheritas Ehemann Luigi über die Ohnmacht der Gewerkschaften, die Korruption der Politiker, die Habgier der Bosse und das Schicksal der Arbeiter. Textgewaltige Monologe und Tiraden müssen vor allem Palmyre Keutgen und Patrick Lorreng in echt italienischem Tempo absolvieren. Von der Rolle des guten in die Rolle des bösen Polizisten muss Alexander Hardt wechseln und dann auch noch den Part des alten Leichenbestatters spielen. Als quengelige und leicht verschüchterte Margherita, die ihr Temperament nur ab und zu mal zulassen darf, überzeugt Daniela Koch. Den alten Mann spielt Dietmar Spörl. Begeisterter Applaus war bei dem rasanten Theaterstück mit viel Wortwitz, Klamauk und skurrilen Szenen vorprogrammiert. Auch Leute vom Fach habe die Darbietung überzeugt, verriet Günther Lorreng: Die Jury hat am Sonntagnachmittag das Stück gesehen und dem Theater Gaudium die Exzellenzklasse bestätigt.
Bei drei Aufführungen soll es für „Bezahlt wird nicht“ nicht bleiben. Ein Auftritt in Bütgenbach sei für Ende März gewiss. Außerdem seien Vorstellungen in Hergenrath und in Eupen im Gespräch. (elb)


Bezahlt wird nicht
Eine Farce von Dario Fo
Regie: Günther Lorreng