2011 ♦ Der zerbrochene Krug ♦ Inhalt

Samstag, den 29. Januar und Sonntag, den 30. Januar 2011 in Hauset

Anlässlich des 200. Todestages von Heinrich von Kleist spielt die Theatergruppe „Gaudium“ am Samstag, den 29. Januar (20 Uhr), und am Sonntag, den 30. Januar (14:30 Uhr und 19:30 Uhr) eine moderne Adaptation der Kriminalkomödie „Der zerbrochne Krug“ im „Treffpunkt Hauset“ (Mehrzweckhalle). Zwar gehört das Lustspiel zu den meistgespielten Theaterstücken auf deutschsprachigen Bühnen, doch war Kleist (1777-1811) zeitlebens ein literarischer Außenseiter, der keine Anerkennung fand und erfolglos blieb. Ein Grund dafür liegt in der für die damalige Zeit ungewöhnlichen Thematik seiner Texte (z.B. Gewalt, Sexualität, das Unbewusste). Sein ruheloses und von ständigen Selbstzweifeln geplagtes Wanderleben beendete Kleist frühzeitig durch den Freitod. Nur sein Selbstmord, nicht seine Literatur, erregte bei den Zeitgenossen öffentliches Aufsehen. Nichtsdestotrotz wäre Kleist ohne sein schmales literarisches Werk heutzutage längst vergessen, obwohl dessen Wirkung erst lange nach dem Tod des Autors einsetzte. Die Anregung zu dem Stück „Der zerbrochne Krug“ fand Kleist 1802 in Bern, als er den Schriftsteller Heinrich Zschokke besuchte und dort den französischen Kupferstich „Le Juge ou la Cruche cassée“ sah. Mit Zschokke wurde ein Dichterwettstreit vereinbart, an dem auch Ludwig Wieland, Sohn des bekannten Dichters, und der Verleger Heinrich Geßner teilnahmen. Kleists Beitrag sollte eines von nur zwei Dramen werden, die zu seinen Lebzeiten aufgeführt wurden. Bezeichnenderweise war aber die Uraufführung in Weimar (unter Goethes Regie) ein eklatanter Misserfolg, weshalb das Stück für lange Zeit wieder von der Bühne verschwand und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Berühmtheit erlangte, die es heute genießt. „Der zerbrochne Krug“ ist ein Einakter und zählt zu den prominentesten Beispielen für das sog. „analytische Drama“ (Enthüllungsdrama), da die wichtigsten Ereignisse, aus denen sich der Konflikt ergibt, schon vor dem Einsetzen der eigentlichen Handlung geschehen sind und auf der Bühne nur noch analysiert bzw. enthüllt werden.

Die Handlung des Stücks spielt in der Gerichtsstätte des niederländischen Dorfes Huisum. Marthe Rull sucht den Dorfrichter Adam auf, um den Verlobten ihrer Tochter Eve, Ruprecht, der Zertrümmerung eines ihr sehr lieben und wertvollen Kruges anzuklagen. Auch möchte Marthe die Ehre ihrer Tochter retten, die Ruprecht als Dirne beschimpft hat. Im Zentrum des Stücks steht aber die Frage, wer den Krug tatsächlich zerbrochen hat. Da das Publikum – im Gegensatz zu den Bühnenfiguren – recht bald erfährt, wer der wahre Schuldige ist, wird es zum Mitwisser und kann sich darüber amüsieren, wie dieser mit allen Mitteln versucht, die Enthüllung seines Vergehens zu verhindern. Da der Täter ein schlechter Lügner und leicht zu durchschauen ist, kommt allmählich die ganze Wahrheit ans Licht. Neben der Sachbeschädigung wird eine viel schwerere Schuld aufgedeckt. Die Geschichte wird ständig von Doppelsinn begleitet, zu dem auch die symbolischen Namen der Figuren (Adam, Eve, Licht und Walter) beitragen. Nichts ist in der Geschichte so, wie es scheint.

Das Theater „Gaudium“ legt stets Wert darauf, dass neben dem Komödienhaften, immer auch Raum für eine gewisse Ernsthaftigkeit und Gesellschaftskritik bleibt. Wie schon in der Vergangenheit verzichtet Regisseur Günther Lorreng auch in der Inszenierung des Stücks „Der zerbrochne Krug“ auf ein ausgeprägtes Bühnenbild, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das Wesentliche zu lenken. Im Januar 2010 wurde die ostbelgische Laienbühne von der Jury in die höchste Kategorie, die Ehrenklasse, eingestuft, was auch für dieses Jahr bestimmte Erwartungen weckt. Nach den geplanten Aufführungen in Hauset wird das Stück im Auftrag der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch in Frankfurt/Oder und Eisenhüttenstadt zu sehen sein.


Der zerbrochene Krug
Eine moderne Adaptation der Kriminalkomödie von Heinrich von Kleist
Regie: Günther Lorreng