1998 ♦ Amaretto ♦ Grenz-Echo Bericht

Samstag, den 24. Januar und Sonntag, den 25. Januar 1998 in Hauset

Grenz-Echo vom 31. Januar 1998

Spannung bis zur letzten Minute

Theater „Gaudium“ jagte den Amaretto-Mörder

Seit manchen Jahren schon gilt das Hauseter Theater „Gaudium“ unter den Laientheaterliebhabern als gute Adresse. Alle Inszenierungen stoßen auf großes Interesse und finden stets eine gute Kritik.

So ist es denn nicht verwunderlich, dass sie Hauseter Bühne am vergangenen Wochenende erneut auf starke Publikumsresonanz stieß und zu gefallen wusste.

Spannung

Spielten die Hauseter m der Vergangenheit vor allem Werke mit zeitkritischen oder erzieherischem Hintergrund oder heitere Werke, darunter einig von Kishon, so hat man sich in diesem Jahr für einen Krimi entschieden, was angesichts der Beliebtheit dieses Genres im Fernsehen einen Publikumserfolg garantiert. „Amaretto“ von Ingo Sax wurde gespielt.
Und es ging spannend zu, sieben Personen kommen zusammen, um den Geburtstag von Beatrice Moormann, der Witwe von Konsul Moormann, zu feiern.

Ein Mord

Man führt die bei solcher Gelegenheit üblichen Gespräche und spricht eifrig dem aufgetischten Amaretto zu. Bis jemand aus der Runde tot umfällt. Was zunächst ais normaler Herztod angenommen wird, stellt sich als Mord heraus. Aber, wer war der Täter? Nur jemand aus dem Kreis der Anwesenden kommt naturgemäß in Frage. Und warum musste ein Mensch gewaltsam sterben?
Bei der Lösung sind auch die Zuschauer gefragt. Wer nämlich wirklich aufgepasst hat, dem muss etwas aufgefallen sein, was zur Entlarvung des Täters führen kann. Und natürlich sind einige falsche Spuren gelegt. Es gab sogar Besucher, die mit ihrer Annahme richtig lagen.

Gute Ensembleleistung

Günther Lorreng, Leiter und Regisseur der Bühne, hatte wieder einmal eine glückliche Hand. Sowohl bei seiner Regie wie auch bei der Auswahl der Darsteller, die alle dem Typ entsprachen, den sie zu spielen hatten. Im Übrigen ließ Günther Lorreng es in der Hauseter Sport- und Freizeithalle ruhig, ja sogar sehr ruhig angehen, vor allem zu Beginn des ersten Aktes. Das Gerede der Geburtstagsgäste, die nach und nach eintrudelten, diente dazu, sie kennen zu lernen. Und vielleicht auch, um den Zuschauer irrezuführen oder ihm den einen oder anderen Tipp für eine heiße Spur für die Zeit nach dem Mord zu geben.

Beachten

Nach der Tat ging es dann lebhafter zu, vor allem, als einer der Überlebenden das Heft zur Klärung des Falles und zur Ermittlung des Täters in die Hand nahm und kurz vor der Lösung auch das Publikum um seine Meinung fragte und hierbei sogar selber als Täter genannt wurde. Immerhin eine von sechs Möglichkeiten. Am Ende lag die Lösung natürlich auf dem Tisch, besser gesagt auf der Bühne. Wenn auch mancher Zuschauer sich eingestehen musste, dass konzentriertes Beobachten eigentlich eine recht schwierige Sache ist.

Lohnend

Günther Lorreng und seine Mitstreiter(innen) Helga Parent, Simone Schoofs, Marc Crott, Ira Keutgen, Patrick Lorreng, Gerta Foxius und Henning Lindenschmidt (in der Reihenfolge des Programms) sorgten dafür, dass es bis zuletzt spannend blieb. Da auch Bühnenbild, Musik, Kostüme und alles andere stimmten, gab es eine lohnende Aufführung, von den Besuchern mit herzlichem Beifall belohnt und von der anwesenden Theaterjury mit der Einstufung in die höchste Klasse honoriert.


Amaretto
Ein Kriminalstück in zwei Akten von Ingo Sax
Regie: Günther Lorreng