2019 ♦ Der Vorname ♦ Grenz-Echo Bericht

Samstag, den 26. Januar und Sonntag, den 27. Januar 2019 in Hauset

copyright © Grenz-Echo – Bericht vom 29. Januar 2019

AUFFÜHRUNG

Hauseter Theater Gaudium filetiert Beziehungen bis auf den nackten Knochen

„Der Vorname“, eine Komödie, die aktuell in der Inszenierung von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst und Caroline Peters in den Hauptrollen in den Kinos für Furore sorgt, hat sich das Hauseter Theater Gaudium in diesem Jahr ausgesucht.

Von Klaus Schlupp

Den Mut des Tüchtigen haben Günther Lorreng und sein „Theater Gaudium“ bewiesen. Denn „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière verlangt äußerst präzises Spiel in Betonung, Gestik und Mimik. Es ist so filigran in seinen Andeutungen und Handlungen gebaut, dass die Gefahr, die Spannung durch eine falsche Betonung oder eine falsche Bewegung zu zerstören immens groß ist. Kurz gesagt, das Theater Gaudium hat diese Herausforderung gemeistert und eine bravouröse Inszenierung auf professionellem Niveau hingelegt.

Mit geradezu sadistischem Vergnügen hetzen die Autoren ihre Figuren aufeinander.

Eigentlich sollte es nur ein nettes Essen unter Freunden werden, zu dem der Pariser Literaturprofessor Pierre Garaud (Olivier Kirschvink) und seine Frau Elisabeth Garaud-Larchet (Anne Renardy) eingeladen haben. Als Gäste kommen Elisabeths Bruder Vincent Larchet (Jannis Mattar) und seine schwangere Lebensgefährtin Anna Cravati (Melina Lauffs) sowie der Freund des Hauses Gatignol (David Peters). Doch daraus wird nichts. Als Provokateur und Freund derber Scherze Vincent ausgerechnet „Adolf“, zuerst französisch mit „phe“ doch dann mit „f“ geschrieben, als Name für sein Kind in den Raum wirft, bricht es los. Mit geradezu sadistischem Vergnügen hetzen die Autoren ihre Figuren aufeinander und filetieren das Beziehungsgeflecht bis auf den nackten Knochen. Zwar versuchen die Damen, besonders Elisabeth, irgendwie den Frieden wieder herzustellen, doch dann trifft auch die Dame des Hauses der Giftpfeil präzise auf den wunden Punkt. Den Schauspielern ist eine enorme Spielfreude und ein außergewöhnliches Können anzusehen. „Die leben ihre Rollen“, meint ein mehr als zufriedener Günther Lorreng. Und tatsächlich, Jannis Mattar genießt einfach seine Rolle als Agent Provokateur und schafft es auch, die liebenswerten Seiten seiner Figur herauszustellen.

Anne Renardy spielt hervorragend mit ihrer Mimik. In ihren Worten sehr um Frieden bemüht, merkt man es ihrer Elisabeth an der Mimik an: Hier brodelt es, bis es dann gegen Ende des Stücks aus ihr herausbricht und sie endlich ihren in der langen Ehe angesammelten Frust herausschreit und ihrem Mann und ihrem Jugendfreund Claude die Meinung geigt. Pierre weiß nicht, wie ihm geschieht. Olivier Kirschfink hat den Intellektuellen, der in der Vornamengeschichte hart argumentiert, den Beziehungsproblemen aber eher hilflos gegenübersteht, gleichfalls gut verkörpert. David Peters hat seine großen Auftritte am Schluss. War er zunächst der Verbündete der beiden Damen im Bemühen um den Frieden, so tritt er aus sich heraus, als es um sein Privatleben geht.

„Der Vorname“ ist in dieser Inszenierung alles andere als eine platte Komödie, es ist eine filigran austarierte Beziehungsstudie, die trotz allem enthaltenen Humor manches Lachen in der Kehle stecken lässt. Das Bühnenbild ist diesmal etwas reichhaltiger bestückt, als man es sonst von den Hausetern gewohnt ist. Eine Couchgarnitur, eine Bar mit diversen Alkoholika und ein Bücherregal dienen als funktionale Requisite. „Der Vorname“ ist eine sorgfältig inszenierte Aufführung mit Ausnahmeschauspielern, die man problemlos in Aachen in der Kammer auftreten lassen könnte. Das hat auch die Jury gemerkt, die das Theater Gaudium mit 98 Prozent in der ersten Kategorie bestätigt hat.„Der Vorname“ wird vom Theater Gaudium ein weiteres Mal am 10. Februar, um 17 Uhr im St.Vither Kulturzentrum Triangel aufgeführt.